Zwischen Tür und Angel – Seelsorge to go

  • 25.6.2026
  • Jens Sannig (DER SUPERINTENDENT)

Im Gemeindezentrum der Evangelischen Kirchengemeinde Geilenkirchen wurden ehrenamtliche Seelsorger*innen zum diesjährigen Seelsorgetag begrüßt.

Diakon Christian Heinze-Tydecks, Leiter Aus-, Fort- und Weiterbildung in der Seelsorge für den Kirchenkreis Jülich, begrüßte im Gemeindezentrum der Evangelischen Kirchengemeinde Geilenkirchen ehrenamtliche Seelsorger*innen zum diesjährigen Seelsorgetag. Nicht alle, die kommen wollten, hatten Platz gefunden, so attraktiv ist die jährliche Veranstaltung des Kirchenkreises.
Zum Thema „Zwischen Tür und Angel – Seelsorge to go“ begrüßte er als Referentin Dr. Andrea Gorres, Pfarrerin und Seelsorgereferentin im Kirchenkreis Leverkusen.

Das Leben bestimmt, wann für Seelsorge die beste Gelegenheit ist – Grußwort und Andacht
Der Jülicher Superintendent, Pfarrer Jens Sannig, eröffnete den Tag mit einer Andacht. Seelsorge bedeute, Menschen annehmen, Ihnen zuhören, Menschen einen Moment Aufmerksamkeit und Zeit schenken, Menschen Mut zusprechen in den Grenzerfahrungen ihres Lebens, sie gewiss machen für den nächsten Schritt, sich ihrer Ängste annehmen, ihnen die Verheißungen Gottes zusprechen, ihnen zuhören, mit ihnen klagen, rufen und beten. Eben dies sei die Kernkompetenz von Seelsorgerinnen und Seelsorgern. „Das Leben allein bestimmt, wann hierfür die beste Gelegenheit ist. Im Idealfall zu einer verabredeten Zeit, oft aber eben auch zwischen Tür und Angel. Unverhofft, nicht geplant und trotzdem wichtig, notwendig – Not-wendend.“

Diese Aufgabe erfordere Kraft. Die aber werde von Gott geschenkt. Wie der Prophet Jesaja es sagt:
„Die auf Gott hoffen, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden.“
Und er schloss: „Ich wünsche Ihnen allen einen inspirierenden Tag, gute Gespräche und die Erfahrung, dass Gott uns immer wieder neue Kraft schenkt – für die Menschen, die uns anvertraut sind, und für unser eigenes Leben. In diesem Sinne wünsche ich ihnen weite Herzen für sich und die Anderen. Genießen Sie den Tag. Seien Sie sich meines Dankes für Ihr Tun bewusst. Gott schütze und segne Sie.“

Zwischen Tür und Angel – Seelsorge to go – Der Vortrag
Die Referentin Dr. Andrea Gorres ermunterte zu Beginn ihres Vortrages dazu, sie jederzeit mit Fragen oder Anregungen zu unterbrechen.
Das wirkte, und so wurde aus einem einseitigen Reden ein lebendiger Dialog. Engagiert und sachkundig beteiligten sich die Anwesenden an der Gestaltung des Vortrages zum Thema.
Die EKiR habe in ihrer Perspektivschrift formuliert: „Seelsorge ist Ausdruck der Zuwendung Gottes. Seelsorge ermutigt, stärkt, tröstet, begleitet und hilft, das Leben zu bewältigen, Probleme zu lösen und Unabänderliches auszuhalten. Sie bietet Hilfe und Begleitung in Lebens-und Glaubensfragen.
Durch Gespräche und Gesten, Aushalten und Schweigen, Gebet und Ritual ist sie Zeichen dessen, was sie erhofft, vergegenwärtigt sie Hoffnung oft wider alle Hoffnungslosigkeit.“
Genau diese Seelsorge geschehe einerseits zu verabredeten Zeiten im ausführlichen Gespräch und andererseits gleich wertvoll und wirksam zwischen Tür und Angel, spontan und ungeplant.
„Seelsorge to go“ entstehe zum Beispiel im Kirchencafé nach dem Gottesdienst, auf dem Friedhof, an der Kasse im Supermarkt, in der KiTa, im Einsatz der Notfallseelsorge, im Hospiz, im Krankenhaus, am Telefon oder auch bei zufälligen Begegnungen.
Das Vorbild des Lebens Jesu zeige, dass kurze, spontane Begegnungen heilige und heilsame Momente sein können. Kurze Begegnungen könnten große Wirkung entfalten. Dabei zähle nicht Perfektion, sondern Haltung und Präsenz.
Für die Seelsorgerin/den Seelsorger sei es dabei wichtig, genau wie bei verabredeten ausführlichen Seelsorgegesprächen die eigene Rolle bewusst wahrzunehmen, Gespräche freundlich und deutlich zu begrenzen, weiter zu verweisen, wenn professionelle Hilfe nötig ist. Und immer gelte: der/die Seelsorgende habe nicht die Last der Gesprächspartnerin/des Gesprächspartners zu tragen. Diese könne er/sie getrost an Gott abgeben, den Auftraggeber der Seelsorge.

Seelsorge to go im Alltag der Welt – die Workshops
In vier Workshops konnten die ehrenamtlichen Seelsorger*innen das im Vortrag Gehörte vertiefen.
Workshop 1 „wie dich selbst – Selbstfürsorge und Selbstmitgefühl“ richtete den Fokus darauf, dass Seelsorgende auch mit sich selbst rücksichtsvoll umgehen müssen, damit ihnen nicht die Kraft für ihren Dienst ausgeht.
Workshop 2 „Einfühlsam antworten – die Kunst zuzuhören“ lud ein, die eigene Zuhörkompetenz zu vertiefen und einfühlsames Antworten einzuüben.
Workshop 3 „en passant“ betrachtete Jesus im seelsorgerlichen Kurzgespräch anhand von Beispielen aus dem Markusevangelium – und was daraus für die eigene Gesprächspraxis zu lernen ist.
Workshop 4 „Grenzen setzen – freundlich und klar“ behandelte eines der schwierigsten Themen in der Seelsorge: Wenn Gespräche mehr Raum brauchen: Wie kann ich wertschätzend unterbrechen, Grenzen setzen und trotzdem zugewandt bleiben?

Fürsorge für Seelsorgende konkret – gemeinsame Mahlzeite und der Reisesegen
Zum Seelsorgetag gehörte wie immer das gemeinsame Essen. Hier war Gelegenheit, durchzuatmen, sich zu stärken, persönliche Gespräche zu führen.
Und am Ende des Tages gab es in der Kirche nebenan den Reisesegen. Mit einer Meditation von Pfarrerin Kornelia Imig (siehe unten!). Mit Dank und Geschenken für die Beteiligten durch Christian Heinze-Tydecks. Und schließlich mit dem folgenden Segen:
„Gott begleite dich auf deinen Wegen – an Türen und Schwellen, in Begegnungen des Alltags, in den kurzen und den tiefen Gesprächen.
Er schenke dir offene Augen, um Menschen wahrzunehmen, offene Ohren, um zwischen den Worten zu hören, und ein offenes Herz, um mitfühlend und achtsam da zu sein.
Er gebe dir die richtigen Worte, wenn Worte gebraucht werden, und die Gelassenheit zu schweigen, wenn Schweigen mehr sagt als viele Sätze.
Er stärke dich in den Begegnungen zwischen Tür und Angel, damit kleine Momente zu Zeichen seiner Nähe werden.
Er bewahre dich auf deinem Weg, schenke dir Freude am Zuhören, Mut zum Dasein und Vertrauen auf seine Begleitung.
So segne und behüte dich der lebendige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.
Amen.“

Christian Heinze-Tydecks blickte zurück auf den Tag: „Für uns war der Reisesegen jedenfalls ein unglaublich anrührender und bewegender Abschluss eines rundum gelungenen Seelsorgetages. Er bildete gewissermaßen das krönende Finale eines Tages voller Begegnungen, Gespräche und Inspirationen. Die Rückmeldungen der Teilnehmenden sind durchweg äußerst positiv ausgefallen. Besonders erfreulich ist, dass bereits erste verbindliche Anmeldungen für unsere beiden kommenden Seelsorgeausbildungen eingegangen sind. Sicherlich haben dazu viele Faktoren beigetragen – nicht zuletzt aber auch die wertschätzende und offene Atmosphäre, die wir an diesem Tag miteinander teilen konnten.“ Dem ist nichts hinzuzufügen.

Der Seelsorgetag muss vorbereitet und gestaltet werden:Das Team
Diakon Christian Heinze-Tydecks (Notfallseelsorge und Ehrenamtsarbeit); Pfarrerin Wiebke Harbeck (Kirchengemeinde Linnich); Pfarrerin Kornelia Imig (Hochwasserseelsorge); Dr. theol. Stefan Knor (Katholische Kirchgemeinde Luzern); Renate Bock (Hospizbewegung Düren-Jülich e.V.); Jean Jacques Badji (Ev. Erwachsenenbildung KKR Jülich); Sandra Migas (Assistentin von Diakon Heinze-Tydecks) und Tochter Katharina Migas sorgten für das leibliche Wohl)

© Text und Fotos: Johannes de Kleine, Kirchenkreis Jülich