Unsere Evangelische Kirche im Rheinland hat sich in ihrer Kirchenordnung dem konziliaren Prozess für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung verpflichtet. Er begann 1983 auf der Vollversammlung des ÖRK in Vancouver, als Kirchen weltweit beschlossen, gemeinsam Verantwortung zu übernehmen für eine gerechte, friedliche und lebenswerte Welt. 1990 formulierte die Ökumenische Weltversammlung in Seoul zehn Grundüberzeugungen. Sie bilden bis heute ein wichtiges Fundament ökumenischer Zusammenarbeit:
1. Macht muss verantwortet werden
Macht gehört Gott. Menschen sollen Macht gerecht und verantwortlich einsetzen – geprägt von Liebe und Mitgefühl.
2. Gott steht auf der Seite der Armen
Armut ist ein Skandal. Strukturen, die Armut fördern, müssen verändert werden.
3. Alle Menschen sind gleichwertig
Egal welche Herkunft, Rasse oder Ethnie – in Christus sind alle Menschen versöhnt.
4. Frauen und Männer sind gleich an Würde
Beide sind nach Gottes Bild geschaffen. Jede Form von Patriarchat und Gewalt wird abgelehnt.
5. Wahrheit ist Grundlage einer freien Gesellschaft
Zugang zu Bildung, Information und Kommunikation ist ein Menschenrecht.
6. Frieden braucht Gerechtigkeit
Friede beginnt mit Versöhnung, Gewaltfreiheit und dem Schutz der Schwächsten. Krieg kann kein legitimes Mittel der Konfliktlösung sein.
7. Gott liebt die Schöpfung
Alles Leben ist heilig. Die Schöpfung soll geschützt und bewahrt werden.
8. Die Erde gehört Gott
Boden, Wasser und Lebensräume dürfen nicht ausgebeutet werden. Solidarität mit indigenen Völkern und Landarbeitern ist wichtig.
9. Würde und Rechte der jungen Generation
Kinder und Jugendliche verdienen Schutz, Respekt und Beteiligung. Ihre Kreativität hilft beim Aufbau einer gerechteren Welt.
10. Menschenrechte sind von Gott gegeben
Sie umfassen individuelle und soziale Rechte. Kirchen sollen allen Formen der Menschenrechtsverletzung widersprechen.
Wie können wir als Christen und Christinnen unserer Verantwortung gerecht werden, ohne den Weg von Anpassung und falscher Kompromisse zu gehen? Wie können wir bei den Herausforderungen kriegerischer Auseinandersetzungen, weltweiter Armut, der Klimakrise und der dadurch bedingten über 100 Millionen Menschen auf der Flucht, dem Anspruch des Evangeliums gerecht werden?

