Vivre Espoir: Trotz erschwerter Bedingungen weiter für Geflüchtete in Marokko

  • 27.5.2026
  • Jens Sannig (DER SUPERINTENDENT)

Für unser Team in Oujda, aber auch für uns in Jülich und Düsseldorf, gab es 2025 besonders bemerkenswerte Entwicklungen.

Vivre Espoir 2025/2026

Vor allem für unser Team in Oujda, aber auch für uns in Jülich und Düsseldorf, gab es 2025 zwei besonders bemerkenswerte Entwicklungen:

  1. Die Anzahl der Flüchtlinge, die wir aufgenommen und betreut haben, hat 2025 einen neuen Rekord erreicht.
  2. Die bisherige ökumenische Zusammenarbeit mit der katholischen Kirche in Oujda wurde Ende August 2025 beendet, weil die katholische Kirche 1. das Projekt umbenennen wollte und 2. wir bis auf die Finanzierung des Projekts ausgebootet werden sollten. Insofern war für den Kirchenkreis die einzig akzeptable Lösung, die Zusammenarbeit zu beenden. Die Not der Flüchtlinge stand nicht mehr im Vordergrund, sondern es war eine Frage des Machtanspruches der katholischen Kirche in Oujda.
  3. Weil wir wussten, dass die Hoffnung auf Hilfe seitens der Migranten enorm war, haben wir zusammen mit der Evangelischen Kirche im Rheinland beschlossen, die Arbeit in neuer Form weiter zu führen. Zudem war nicht klar, ob die katholische Kirche Oujda die Trennung auch dazu nutzen könnte, die Migrationsarbeit zu beenden.

Zu 1.: Einige Zahlen:

Aufnahmen:

1.1.bis 31.8 25. – 3.857 Flüchtlinge (418 Minderjährige und 14 Frauen) mit kath. Kirche

1.9. bis 31.12.25 – 516 Flüchtlinge( 325 Minderjährige und 10 Frauen) ohne Katholiken

1.1. bis 31.12.254.373 Flüchtlinge ( 934 Minderjährige und 24 Frauen) insgesamt

Ärztliche Behandlungen:

1.1.25-31.8.25 – 921 Flüchtlinge

1.9.25-31.12.25 – 385 Flüchtlinge

1.1.25 bis 31.12.25 – 1.306 insgesamt

Die häufigsten Erkrankungen waren Hauterkrankungen – oft verursacht durch mangelnde Hygiene auf der Flucht, meistens über mehrere Jahre- Hals-, Nasen- Ohreninfektionen, Knochenbrüche, Hämorriden und Rippenfell- bzw. Lungenentzündungen. Als besonders schwere Krankheiten waren Tuberkulose, Sichelzellenanämie – eine erbliche Erkrankung der roten Blutkörperchen, die vor allem in der Subsahara häufig vorkommt und auch oft zum Tode führt, gravierende Unterfunktonen des Herzens und der Nieren.

Die Zahl der krank oder verletzt bei uns angekommenen Migranten ist deutlich weiter gestiegen, so dass wir einen Vorschuss über € 10.000 zahlen mussten.

In der Zeit vom 1.9.2025 bis 31.12. 2025 wurden 8 Minderjährigen die Möglichkeit der freiwilligen Ausreise in ihr Heimatland ermöglicht.

Im Rahmen des neuen Projekts ab 1.9.2025 nahmen 325 Migranten an einem Alphabetisierungskurs teil, 12 Migranten befinden sich in einer Berufsausbildung und einer ist dabei, sich zum Krankenpfleger im Anästhesiebereich zu qualifizieren.

Zu 2.: Durch den Alleingang der katholischen Kirche fehlten uns ab 1.8. 2025 die vielen Unterbringungsmöglichkeiten, die wir auf dem Gelände der katholischen Kirche hatten. Außerdem hatten wir natürlich deutlich geringere Mittel, da vor allem ab 1.9. die Finanzierung durch Misereor wegfiel. Die Arbeit des Projekts wurde fortgesetzt, wenn auch in einem deutlich bescheideneren Rahmen. Zunächst haben wir die Betreuung der Flüchtlinge im Büro von Azarias Unternehmen durchgeführt, inklusive medizinischer Betreuung.

Neue Gebäude mussten ab 2026 angemietet werden, wobei die zusätzlichen Mietkosten unser Budget erheblich belasteten. Zum Anfang des Jahres konnten wir die Gebäude beziehen, die auf den Zweck abgestimmt werden konnten. Trotz des Angebotes der katholischen Kirche, dass alle Mitarbeitenden (sowohl Haupt- als auch Ehrenamtliche) bis auf unseren Leiter von der katholischen Kirche übernommen werden könnten, ist keiner der Mitarbeitenden dem Angebot gefolgt. Wegen der Finanzen konnten wir leider nicht alle übernehmen.

Wir sind davon ausgegangen, dass wir pro Jahr ab 2026 maximal 600 Migranten aufnehmen können. Leider können wir nur noch Kranke und Verletzte beherbergen, was in dem Haus geschieht, in dem sich auch die Büro- und Praxisräume befinden. In einem zweiten angemieteten Haus werden die Migranten untergebracht, die eine Ausbildung machen. Leider mussten wir die Zahl auf 12 reduzieren, weil sonst die Finanzmittel nicht gereicht hätten.

Das Mitglied unseres Partnerschaftsausschusses, Jörg Walther, hat im Rahmen einer privaten Reise mit seiner Frau unser Zentrum besucht. Dies sei eine erfreuliche Entwicklung, denn die Räume wären deutlich besser als vorher in der katholischen Kirche, was auch beinhalte, dass die Arbeit qualitativ höher wäre. Problem sei nur, dass das Zentrum jetzt mitten in einem marokkanischen Wohnviertel liege und man vorsichtig vorgehen müsse, um nicht Probleme mit der Nachbarschaft zu bekommen. Deshalb achtet das Personal darauf, dass die Jugendlichen sich nicht vor dem Gebäude auf der Straße aufhalten.

Die katholische Kirche hat offensichtlich nach Jörg Walthers Augenschein die Flüchtlingsarbeit weiter fortgeführt, obwohl wahrscheinlich mit einer durchaus geringeren Anzahl von Flüchtlingen.

Wir danken unserem Team unter Leitung von Dr. Azarias Lumbela, dass es sich unter den erschwerten Bedingungen bereiterklärt hat, sich an unserer Stelle weiter für die Vulnerabelsten in unserer Welt einzusetzen.

Für die Not der Geflüchteten sind wir mitverantwortlich, weil wir zu viele Ressourcen für uns beanspruchen. Die Menschen aus Afrika und Asien sind mit Ausgrenzung, Abschottung und Abschiebung konfrontiert. Dafür tragen die EU und auch Deutschland die Verantwortung.

Wir haben große Sorgen, weil wir nicht wissen, wie es nach Ende 2027 weitergehen soll, denn dann brauchen wir eine neue Finanzierung.

Hans-Joachim Schwabe